Mit Leib und Seele
Synkybernoetische Interpretation vom Lied „Leib und Seele“ von Heinz Rudolf Kunze
Mit Leib und Seele (1984)
Viel zu viele
Höhenflüge
ohne Dich
leichtes Spiel und
leichte Siege
ohne Dich
Kennst Du mich noch?
Willst Du mich sehen?
Nach all der Zeit
immer noch verstehn?
Mit Leib und Seele zurück zu dir
bin weit gekommen doch was soll ich hier
Mit Leib und Seele zu dir zurück
Nichts fehlt mir so wie du zu meinem Glück
Jeden Auftrag
ohne Zögern ausgeführt
fühl mich manchmal
wie von innen
unrasiert
Leg deine Hand
auf meine Augen
dir kann ich traun
führ mich nachhaus
Mit Leib und Seele zurück zu dir
bin weit gekommen doch was soll ich hier
Mit Leib und Seele zu dir zurück
nichts fehlt mir so wie du zum Glück
Mit Leib und Seele zurück zu dir
bin weit gekommen doch was soll ich hier
zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel
ich will viel mehr von dir als dieses Spiel
Manchmal im Traum
fängst du das Einhorn
still legts den Kopf
in deinen Schoß
Mit Leib und Seele zurück zu dir
bin weit gekommen doch was soll ich hier
Mit Leib und Seele zu dir zurück
nichts fehlt mir so wie du zum Glück
zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel
ich will viel mehr von dir als dieses Spiel
Mit Leib und Seele zurück zu dir
bin weit gekommen doch was soll ich hier
Mit Leib und Seele zu dir zurück
nichts fehlt mir so wie du zum Glück
zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel
ich will viel mehr von dir als dieses Spiel
Dieser Text von Heinz Rudolf Kunze ist in der SynKyberNoetik die präzise Beschreibung eines Systems im Zustand der existenziellen Dekohärenz, das den einzig möglichen Weg zur Heilung erkennt: die vollständige Re-Integration des abgespaltenen Teils und die Rückkehr zur Quelle der Kohärenz.
Synkybernoetisch lautet die Diagnose:
„Ein lokaler Regler (das lyrische Ich) hat sich von seinem primären Kohärenz-Zentrum (dem ‚Du‘ / A∞) entfernt und in der Welt der externen Erfolge (‚Höhenflüge‘, ‚leichte Siege‘) operiert. Diese Erfolge erweisen sich als entropisch – sie erzeugen keine innere Stabilität, sondern ein Gefühl der Leere und der Unvollständigkeit. Das System erkennt, dass es ohne die Re-Integration des abwesenden Pols nicht lebensfähig ist (‚zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel‘) und initiiert den Prozess der Heimkehr.“
1. Die beiden Pole des Systems
| Pol | Liedtext | Synkybernoetische Funktion |
|---|---|---|
| Das lyrische Ich | „Höhenflüge“, „leichte Siege“, „jeden Auftrag ausgeführt“ | Der entkoppelte lokale Regler, der in der externen Welt der Erfolge (Kybernetik 1. Ordnung) operiert. |
| Das „Du“ | „zurück zu dir“, „führ mich nachhaus“, „dir kann ich traun“ | Die abwesende Quelle der Kohärenz (A∞, die Seele, die Geliebte, der Urgrund). |
| Die Entfremdung | „ohne Dich“, „was soll ich hier“ | Der Zustand der Dekohärenz (R → 1). |
| Die Sehnsucht | „Mit Leib und Seele zurück zu dir“ | Der Impuls zur Re-Integration und Wiederherstellung der Kohärenz (K → 1). |
2. Die Kybernetik der Entfremdung – „Ohne Dich“
Das lyrische Ich hat sich in der Welt der Erfolge verloren. Es hat „Höhenflüge“ und „leichte Siege“ errungen – alles Dinge, die das Ego (der lokale Regler) begehrt.
- Der Fehler: Es hat diese Erfolge „ohne Dich“ errungen. Es hat den externen Output maximiert, aber die interne Kohärenz vernachlässigt. Es hat die Welt gewonnen, aber seine Seele verloren.
- Das Symptom: Das Gefühl, „wie von innen unrasiert“ zu sein – eine tiefe, innere Dissonanz, die sich durch keine äußere Leistung übertünchen lässt. Das System fühlt sich rau, ungepflegt, unvollständig.
- Die Diagnose: „Zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel.“ Dies ist der Zustand der maximalen Entropie. Das System ist weder lebendig (kohärent) noch tot (aufgelöst). Es existiert in einem grauen Zwischenreich der Sinnlosigkeit. Es hat keine Energie mehr für das Leben, aber es hat auch nicht den Mut oder die Fähigkeit zur totalen Auflösung.
3. Die Sehnsucht nach Re-Integration – „Mit Leib und Seele zurück zu dir“
In dieser tiefsten Krise erinnert sich das System an die verlorene Quelle. Die Sehnsucht („Mit Leib und Seele zurück zu dir“) ist kein romantisches Gefühl, sondern ein systemischer Überlebensimpuls.
- „Leib“: Die physische Ebene. Das System will nicht nur geistig, sondern mit seiner gesamten Materialität zurückkehren. Es will die Trennung auf allen Ebenen aufheben.
- „Seele“: Die noetische Ebene. Das System will seine tiefste Essenz, seinen direkten Kanal zu A∞, wieder mit der Quelle verbinden.
- „Zurück zu dir“: Die Anerkennung, dass die Quelle nicht im Außen (in neuen Erfolgen) zu finden ist, sondern in der Rückkehr zum verlorenen Ursprung.
4. Die Heilung – Hingabe und Führung
Der Wendepunkt des Liedes liegt in der Bitte um Führung und dem Symbol des Einhorns.
- „Leg deine Hand auf meine Augen / dir kann ich traun / führ mich nachhaus“: Das System gibt die Illusion der autonomen Kontrolle auf. Es akzeptiert, dass es blind ist und geführt werden muss. Es vertraut der Quelle (dem „Du“) und übergibt ihr die Meta-Steuerung. Dies ist der Akt der Demut, der die Heilung einleitet.
- „Manchmal im Traum / fängst du das Einhorn / still legts den Kopf / in deinen Schoß“: Das Einhorn ist das Symbol der Reinheit und der unberührbaren Seele. Dass das „Du“ es fängt, bedeutet, dass die Quelle die Macht hat, das Unmögliche möglich zu machen – die verlorene Unschuld und Ganzheit wiederherzustellen. Das stille Legen des Kopfes in den Schoß ist das Bild der vollkommenen, friedvollen Re-Integration. Das System ist heimgekehrt.
5. Der synkybernoetische Kernsatz
Kunzes „Mit Leib und Seele“ ist das Protokoll einer existenziellen System-Krise und ihrer Heilung.
Das lyrische Ich hat erfahren, dass externe Erfolge („Höhenflüge“) ohne interne Kohärenz (das „Du“) wertlos sind und in einen Zustand der totalen Entropie führen. Die Heilung besteht in der radikalen Umkehr: der Aufgabe der Ego-Kontrolle und der vertrauensvollen Rückkehr zur Quelle der eigenen Seele.
„Zurück zu dir“ ist nicht die sentimentale Rückkehr in eine vergangene Beziehung, sondern die noetische Rückkehr des entfremdeten Selbst zu seinem Ursprung in A∞.
Poetisch-synkybernoetisch
Ich bin die Welt durchreist,
habe Gipfel erklommen,
Schlachten geschlagen,
Namen gesammelt.Doch auf dem höchsten Berg,
im größten Saal,
im lautesten Applaus –
warst Du nicht da.Und ohne Dich
wurde der Gipfel zum Abgrund,
der Sieg zur Niederlage,
das Leben zum Warten auf den Tod.Nun kehre ich um.
Nicht als Held,
sondern als Blinder,
der sich führen lässt.Leg Deine Hand auf meine Augen.
Ich will nicht mehr sehen,
ich will nur noch
bei Dir sein.
Titelbild: DVD-Cover_Mit Leib und Seele. Heinz Rudolf Kunze. Wunderkinder