Version 2.0 „SKN–KOB-6 + Epistemische Matrix“

Ich habe die bestehende Matrix vollständig zur Version 2.0 „SKN–KOB-6 + Epistemische Matrix“ umgebaut.

Version 2.0 – SKN-KOB-6 + Epistemische Matrix 

 

Vorschau des neuen Doppelradars

Der entscheidende Unterschied zu Version 1.0: Ein Sachwert und die Sicherheit, mit der wir diesen Sachwert behaupten können, sind jetzt strikt getrennt.

Was neu ist

Jeder der 90 Einzelwerte für Deutschland, Ukraine und Russland besitzt jetzt zusätzlich sechs epistemische Bewertungen:

  • E1 Quellenvielfalt – stammen die Informationen aus unterschiedlichen Informationsräumen?
  • E2 Primärdatenanteil – Originaldokument/Rohdaten oder nur Interpretation?
  • E3 Methodenoffenheit – ist nachvollziehbar, wie der Wert zustande kam?
  • E4 Gegenquellenabgleich – wurde eine gegensätzliche Informationsquelle ernsthaft geprüft?
  • E5 Konsistenz nach Widerspruchsprüfung – wie viele substanzielle Gegenbelege bleiben?
  • E6 Reproduzierbarkeit – kann ein unabhängiger Dritter die Bewertung nachvollziehen?

Zusätzlich bekommt jede Aussage eine Kennzeichnung:

F = Faktum
I = Interpretation
H = Hypothese
N = Narrativ
R = Rechtsbewertung

So wird beispielsweise eine Zahl aus einer Zollstatistik anders behandelt als die Interpretation:

„Dieses Land verfolgt eine imperialistische Strategie.“

Beides darf künftig nicht mehr in derselben epistemischen Kategorie erscheinen.

Ein wichtiges Ergebnis des Umbaus

Die ursprünglichen Sachprofile lauteten:

Land V1-Sachwert
Deutschland 2,97
Ukraine 2,00
Russland 1,23

Die neue durchschnittliche epistemische Absicherung dieser Werte beträgt jedoch nur:

Land Erkenntnissicherheit 0–4
Deutschland 1,85
Ukraine 1,81
Russland 1,74

Das ist eine wichtige Korrektur unserer bisherigen Interpretation.

Denn alle drei Gesamtprofile sind nach der neuen Methodik lediglich mittel abgesichert.

Wir sollten also gerade nicht mehr sagen:

„Russland hat objektiv 1,23.“

Sondern:

„Mit der bislang verwendeten Quellenbasis ergibt die Arbeitsdiagnose 1,23; ihre durchschnittliche epistemische Absicherung beträgt jedoch nur etwa 1,74 von 4.“

Das ist ein erheblich anderer wissenschaftlicher Anspruch.

Besonders auffällig: E1 und E4

Beim aktuell ausgewählten Deutschland-Profil zeigt das zweite Radar:

  • E1 Quellenvielfalt: 0,50
  • E2 Primärdaten: 2,67
  • E3 Methodenoffenheit: 2,87
  • E4 Gegenquellenabgleich: 0,47
  • E5 Konsistenz: 2,07
  • E6 Reproduzierbarkeit: 2,57

Damit bestätigt die neue Matrix ziemlich genau deine Kritik.

Das Hauptproblem unserer ersten Untersuchung war nicht primär fehlende Methodentransparenz.

Das Hauptproblem war:

zu geringe informationspolitische Quellenvielfalt und fast kein systematischer adversarialer Gegenquellenabgleich.

Bei Russland sieht das strukturell ähnlich aus:

  • E1 Quellenvielfalt: 0,47
  • E4 Gegenquellenabgleich: 0,50

Auch dort beruhten zahlreiche Bewertungen auf einzelnen westlichen Bewertungsinstitutionen oder einzelnen russischen Eigenquellen statt auf wirklicher Triangulation.

Besonders P1–P3 werden dadurch relativiert

Für Deutschland beträgt die epistemische Sicherheit:

  • P1 Weltanschauung: 1,33
  • P2 Chronologie: 1,57
  • P3 Faktologie: 1,50

Damit sind ausgerechnet jene Ebenen, die in der KOB als die langfristig wirksamsten Steuerungsebenen gelten, bislang am schwächsten abgesichert.

Für Russland gilt Ähnliches:

  • P1: 1,57
  • P2: 1,17
  • P3: 1,40

Das bedeutet nicht, dass die bisherigen Bewertungen falsch sind.

Es bedeutet:

Wir haben bislang nicht genügend epistemische Grundlage, um sie mit der Sicherheit zu vertreten, mit der die Zahlen in Version 1.0 zunächst erschienen.

Das halte ich für einen wesentlichen Fortschritt.

Auch die Quellenregister sind jetzt erweitert

Die bestehenden Quellenblätter für Deutschland, Ukraine und Russland enthalten zusätzlich:

Institutionstyp

Geo-Informationsraum

Quellenrolle

Primärgrad 0–4

Eine Quelle wird damit beispielsweise als:

EIGEN – Quelle des untersuchten Systems,

GEGEN – gegenläufiger beziehungsweise gegnerischer Informationsraum,

MULTI – multilaterale Institution,

UNABH – Forschung, NGO, unabhängiger Journalismus,

DRITT – Dritt-/Nichtblockquelle

gekennzeichnet.

Damit wird sofort sichtbar, wenn beispielsweise fünf Quellen genannt werden, aber alle fünf demselben westlichen Informationsraum entstammen.

Fünf Quellen sind nicht automatisch fünf Perspektiven.

Das war ein entscheidender konzeptioneller Fehler der ersten Matrix.

Die neue epistemische Grundregel

In Version 2.0 steht deshalb ausdrücklich:

Keine Quelle erhält allein aufgrund von Institution, Herkunft, wissenschaftlichem Status oder „Peer Review“ einen Wahrheitsbonus.

Und:

Besonders belastbar ist eine Aussage, wenn Akteure mit gegensätzlichen Interessen denselben eng formulierten Sachverhalt unabhängig voneinander bestätigen.

Das ist die von uns entwickelte adversariale Triangulation.

Das Doppelradar

Das neue Dashboard enthält deshalb zwei voneinander unabhängige Radare.

Radar A: Friedenskohärenz

P1 Weltanschauung
P2 Chronologie
P3 Faktologie
P4 Ökonomie
P5 Lebensfähigkeit
P6 Gewalt

Radar B: Erkenntnissicherheit

E1 Quellenvielfalt
E2 Primärdaten
E3 Methodenoffenheit
E4 Gegenquellenabgleich
E5 Konsistenz
E6 Reproduzierbarkeit

Deutschland kann dort beispielsweise einen Sachscore von 3,2 auf P1 besitzen, während die epistemische Sicherheit dieser Bewertung nur 1,33 beträgt.

Das ist genau die Information, die vorher fehlte.

Der methodisch wichtigste Satz der Version 2.0

Ich habe deshalb im Workbook ausdrücklich festgehalten:

Ein niedriger epistemischer Wert widerlegt den Sachscore nicht. Er bedeutet, dass die verwendete Quellen- und Methodenbasis noch nicht ausreicht, um diesen Wert mit hoher Sicherheit zu behaupten.

Damit ist die Matrix jetzt auch selbst synkybernoetisch rückgekoppelt:

Sie bewertet nicht mehr nur die Welt.

Sie bewertet auch ihre eigene Fähigkeit, diese Welt zu erkennen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der konsequente nächste Entwicklungsschritt wäre nun Version 2.1: zuerst die rot markierten P1–P3-Indikatoren mit niedriger Erkenntnissicherheit systematisch neu recherchieren – jeweils nach dem Schema Eigenquelle → Gegenquelle → multilaterale Quelle → Primärevidenz/OSINT → Dritt-/BRICS-/nichtwestliche Quelle – und erst danach die Sachwerte Deutschland, Ukraine und Russland neu berechnen.

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